Die Musik der Wiener Klassiker im öffentlichen Bewusstsein und im Blick der Wissenschaft: ein gegenseitiges Missverständnis?

Manfred Hermann Schmid

Abstract


Bildung setzt ein Geschichtsverständnis voraus. Kein Sprachunterricht ohne Spuren von Geschichte, auch kein Religionsunterricht und kein Musikunterricht. Doch Ge­schichte ist entgegen dem schönen Wort von Leopold von Ranke nichts Objektives, schon gar nicht, wenn es um Urteile geht. Sie ist bekanntlich ein intellektuelles Konstrukt. An der Schaf­fung dieses Konstrukts und auch an der Weitergabe, der „trasmissione del sapere musi­cale“, sind ganz verschiedene Instanzen beteiligt – keineswegs nur die Wissenschaft.

Im Fall der Musikgeschichte müssen wir mit drei unterschiedlichen Instanzen rechnen:

(a) der musikalischen Zunft und ihrer Mündlichkeit;

(b) der Wissenschaft in ihren Publikationen und ihrem akademischen Unterricht;

(c) der Öffentlichkeit, gesteuert von den Medien.

Zwischen (b) und (c) gibt es noch die Schule. Sie leitet sich in ihrem Selbstverständnis von der Wissenschaft her, ist aber in ungleich höherem Maße als diese mit der öffent­lichen Meinung konfrontiert.

Die Geschichtsbilder differieren, wie zu erwarten, und sie differieren auch zu ver­schiedenen Zeiten, wenn ich das punktuell mit den Wiener Klassikern an einem Parade­fall von Kanonbildung und teleologischer Geschichtsschreibung überprüfe.


Parole chiave


Musikgeschichte; Wiener Klassiker; Öffentlichkeit; Wissenschaft

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DOI: 10.6092/issn.2039-9715/4011

Copyright (c) 2013 Manfred Hermann Schmid

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